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Gewerkschafterin Charlotte Fries verstorben

Gewerkschafterin Charlotte Fries verstorben

Charlotte Fries ver.di Südwestfalen Charlotte Fries

Eine großartige Kollegin und vielseitige Funktionärin der ver.di hat uns für immer verlassen. Charlotte Fries, Trägerin des Bundesverdienstkreuz, ist im Alter von 85 Jahren verstorben.

Ein Nachruf von Tanja Krönert, stellvertretende Bezirksvorsitzende von ver.di Südwestfalen und Vorsitzende des Bezirksfrauenrates.

 

Mit Charlotte Fries haben wir eine durch und durch überzeugte Gewerkschafterin und Mitstreiterin verloren.

Charlotte war so vieles – aber einiges war sie auch auf gar keinen Fall. Charlotte war nicht leise, Charlotte hat kein Blatt vor den Mund genommen und sie war nie gleichgültig gegenüber den Menschen und ihrer Umwelt oder hätte „um des lieben Friedens willen“ den Mund gehalten.

Als ich Charlotte zum ersten Mal begegnete, hatte sich ver.di gerade gegründet und der neue Frauenrat aus den fünf Gründungsorganisationen konstituierte sich. Meine Kolleginnen und ich waren schockiert – zwischen uns und „denen“ lagen ein paar Jahrzehnte. Aber wir bekamen schnell gezeigt, dass Äußerlichkeiten und Alter völlig nebensächlich sind. Mit Charlotte hatten wir eine streitbare und aufrechte Vorsitzende mit einem dicken Fell – eine, die schon für die Rechte der Frauen und eine Gleichberechtigung der Geschlechter auf allen Ebenen eingetreten ist, als noch die Erlaubnis des Mannes benötigt wurde, um als Frau überhaupt eine Stelle antreten zu dürfen. Als es noch keine Quoten gab und engagierte Frauen eher belächelt als ernst genommen wurden. Aber für Charlotte war das ein Grund für „jetzt erst recht“! Ich kenne niemanden, der wie Charlotte jede sich bietende Gelegenheit genutzt hat, um für die Gewerkschaft und die Gleichberechtigung zu werben. Charlotte ging nie ohne Aufnahmeanträge aus dem Haus. Ob an der Supermarktkasse oder in der Notaufnahme im Krankenhaus, beim Treffen mit Freund*innen oder einer Aktion – für sie war immer eine passende Gelegenheit und genug Zeit, ein gewerkschaftliches Gespräch zu führen und Menschen für die Gewerkschaft zu begeistern.

Charlotte hat im Laufe ihres Lebens so viele Ämter und Mandate wahrgenommen, dass eine Aufzählung diesen Nachruf sprengen würde. Sie hat es bis in den Bundesvorstand der DAG geschafft und auch dort unsere Interessen mit Nachdruck und Engagement vertreten. Der Weg dorthin bedeutete eine Menge Arbeit, Ausdauer und Durchsetzungskraft. Sie hatte sich dieses Mandat hart erarbeitet um an oberster Stelle für die Belange der Kolleginnen und Kollegen ihre Überzeugung einzubringen. Sie hat stets mit vollem Einsatz für die gewerkschaftliche Sache gekämpft und dabei keine „ihrer“ Frauen (und auch Männer) aus dem Blick verloren. Gab es private Probleme, konnte man darauf zählen, dass Charlotte mit Rat und Tat zur Seite stand.

Und das alles leistete sie neben der Arbeit und der Familie. Sie war sehr stolz auf ihre Familie. Hinter einer so engagierten Frau mit drei Kindern und einem Beruf, hat in diesem Fall auch ein engagierter Mann gestanden, der ihr den Rücken freigehalten hat. Und das ebenfalls zu einer Zeit, als es alles andere als selbstverständlich war, seiner Frau den Freiraum für ein politisches Engagement zu schaffen. Ohne ihren „Dieter“ wäre das alles nicht möglich gewesen. Und auch wir hätten ohne das handwerkliche Geschick ihres Mannes und der Bereitschaft, jede noch so aufwändige Idee für uns handwerklich umzusetzen, oft allein gestanden.

Gerne erinnere ich mich auch an ihr Durchhaltevermögen bei unseren Klausurtagungen. Selbst im vorgerückten Alter bewies sie mehr Ausdauer als viele der jüngeren Kolleginnen und Kollegen. Dabei hatte sie immer noch die ein oder andere Geschichte oder Anekdote zu erzählen.

Auch nachdem sich Charlotte Ende 2018 von allen offiziellen Ämtern zurückgezogen hat, war sie doch fester Bestandteil unserer Gewerkschaftsarbeit. Bis zuletzt war sie mit vollem Engagement dabei, wenn es ihre Gesundheit zugelassen hat. Leider hat ihre Gesundheit sie im Laufe der letzten Monate immer mehr im Stich gelassen und sie schließlich recht immobil werden lassen. Auch ihre Augen wurden zum Handicap und das Lesen gestaltete sich schwieriger - aber dennoch ist sie mit wachem Blick weiter durchs Leben gegangen.

Leider mussten wir uns jetzt von ihr verabschieden – von einem wunderbaren, warmherzigen, engagierten und aufrechten Menschen. Sie hinterlässt große Fußstapfen. Wir werden ihrem Wirken ein ehrendes Andenken bewahren.

Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt ihrem Mann und ihrer Familie.

Tanja Krönert