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Der marktgerechte Patient - Film und Podiumsdiskussion

22.01.2019, 19:00 – 21:00

Der marktgerechte Patient - Film und Podiumsdiskussion

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Der marktgerechte Patient - Film und Podiumsdiskussion ver.di Südwestfalen Die Mit-Initiator*innen

Zu einem Filmabend mit anschließender Diskussionsrunde hatte das Aktionsbündnis „Pflege am Boden“, bei dem auch ver.di sich engagiert, ins Kulturhaus Lÿz in Siegen eingeladen. In dem Dokumentarfilm „Der marktgerechte Patient“ werden die Ursachen und Folgen der im Jahr 2003 eingeführten Fallpauschalen untersucht. Mediziner*innen, Pflegepersonal und Patienten sowie Krankenhausmanager und Gesundheitsaktivist*innen liefern im Film auf der Basis einer Ursachenanalyse Argumente für eine soziale und menschenwürdige Gesundheitsversorgung, in der der Gedanke der Empathie und Fürsorge im Vordergrund steht.

An der Organisation der Veranstaltung beteiligt sind weiter die Organisationen „Pflege am Boden“, „Wa(h)re Gesundheit“, der „Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte“, die ev. Martini-Kirchengemeinde Siegen, die Gustav-Heinemann-Friedensgesellschaft Siegen sowie die Partei Die Linke.

 

Podiumsdiskussion "Der marktgerechte Patient" ver.di Südwestfalen Podium und Zuschauer

ver.di-Gewerkschaftssekretärin Mechthild Boller-Winkel erläutert: „Die Fallpauschalen sind eine verbindliche Vergütung der Krankenhäuser für ihre Dienste an Patienten. Das bedeutet, dass jede diagnostizierbare Krankheit einen fixen Preis hat. Das bedeutet nach unserer Auffassung aber auch, dass dies ein entscheidender Schritt zu einer Kommerzialisierung in Krankenhäusern ist, denn der Gewinn ist höher, wenn Patienten schnell abgefertigt werden, anstatt individuell auf sie einzugehen.“

Seit der Einführung der Fallpauschalen ist der Stellenabbau beim Pflegepersonal kontinuierlich vorangeschritten. Mehr als 50.000 Stellen in 15 Jahren wurden gestrichen. Krankenhäuser, die trotz Berechnung über günstige Fallpauschalen noch Gewinne einfahren möchten, müssen es mit ihrem Personal aufnehmen. Immer mehr Pflegekräfte fühlen sich ausgepresst wie eine Zitrone. Der Krankenstand in der Pflege ich hoch. Es gibt kaum eine Schicht, in der genug Personal auf einer Station ist. Nur noch das Nötigste kann für die Patienten getan werden. Wer eine Gefährdungsanzeige schreibt, wird von der Geschäftsleitung kritisiert, eine nennenswerte Abhilfe wird nicht geschaffen. Die Verantwortlichen entschuldigen sich damit, dass der Pflegekräfte-Markt leer sei.

Der Film greift Albtraum-Szenarien auf von in dunklen Kellerfluren abgestellten OP-Patienten, Tod durch Vergessen, Pflegekräfte im Burn-out. Fast jeder kennt solche Geschichten. Und in Talkshows und Medien ist die Krise in deutschen Krankenhäusern schon lange ein Thema. Der Film kommt zur rechten Zeit. Er will bewusst die Diskussion um die Ausrichtung der Gesundheit am Profit vorantreiben und entsprechende Volksbegehren unterstützen und Bündnisse initiieren.

Die politischen Hintergründe der Reform bleiben im Film eher blass, dabei wären Lehren daraus doch für die Strategien zukünftiger Kämpfe wichtig. Die Arbeitskämpfe mit dem Streik an der Berliner Charité im Sommer 2017 und einer noch laufenden Initiative zum Volksentscheid gegen den Personalnotstand in Hamburg bilden den Abschluss der damit sehr aktuellen Doku und zielen auf eine breite Mobilisierungskampagne zum Thema. Gesundheitsminister Jens Spahn hat verkündet, 13.000 neue Pflegestellen schaffen zu wollen. Woher er diese Fachkräfte bei den Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern nehmen will, bleibt ein Rätsel.

Am 22. Januar 2019 wird um 19 Uhr im Lÿz der Film "Der marktgerechte Patient" gezeigt. Anschließend findet eine Podiumsdiskussion mit regionalen Fachleuten über den Pflegenotstand in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen statt. ver.di Südwestfalen Der marktgerechte Patient