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Tag der betrieblichen Entgeltgleichheit

24.10.2018, 17:45Artur-Woll-Haus, Am Eichenhang 50, 57076 Siegen

Tag der betrieblichen Entgeltgleichheit

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Die stv. ver.di-Bezirksvorsitzende Tanja Krönert und die stv. Gleichstellungsbeauftragte der Uni Siegen eröffnen die Veranstaltung ver.di Südwestfalen Eröffnung_Tanja_Sigrid_EPD_2018

Die Entgeltlücke lässt sich nicht wegdiskutieren. Immer noch verdienen Frauen im Durchschnitt 21 Prozent weniger als Männer und gleichwertige Arbeit wird oft genug unterschiedlich bezahlt. Verdienen Frauen, dass sie weniger verdienen? Oder: Was hat unsere Arbeitszeit mit Gleichstellung zu tun?

Um dieser Frage anlässlich des Tages der betrieblichen Entgeltgleichheit nachzugehen, hatten der DGB-Kreisverband Siegen-Wittgenstein, die IG Metall Siegen, ver.di Südwestfalen, das Gleichstellungsbüro der Universität Siegen, wo*men – Autonomes feministisches Referat, das Netzwerk Hochschulsekretariat, die Junge GEW und die DGB-Jugend zu einer Veranstaltung im Artur-Woll-Haus in Siegen eingeladen. Auf die Gäste warteten nicht nur ein Sektempfang und kabarettistische Unterhaltung durch Christa Weigand, alias „Ursel“, sondern auch eine Diskussion rund um die Themen Entgeltgleichheit, Arbeitszeitverkürzung, Rund-um-die-Uhr-Kita und Mitbestimmung.

Die Referentin des Abends: Margareta Steinrücke ver.di Südwestfalen Margareta Steinrücke

Als Referentin des Abends konnten die stellvertretende ver.di-Bezirksvorsitzende Tanja Krönert und die stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Uni Siegen Sigrid Hübner die Autorin und Arbeits- sowie Geschlechtersoziologin Margareta Steinrücke begrüßen. Sie hielt einen Vortrag unter der Überschrift „Nicht nur Geld, auch Zeit gerecht verteilen!“ Margareta Steinrücke beschäftigt das Thema Arbeitszeitverkürzung bereits seit vierzig Jahren. Sie stammt aus der IG Druck und Papier, der Gewerkschaft, die Anfang der 1980er Jahre für die 35-Stunden-Woche gekämpft hat. „Wir haben in Deutschland den höchsten gender-time-gap in Europa. Der gender-time-gap ist der Unterschied in der Arbeitszeitlänge von Männern und Frauen und der beträgt 9 Stunden pro Woche. Viele Frauen arbeiten in Teilzeit. Das ist der Karrierekiller schlechthin und führt in die Altersarmut. Deswegen redet man von der Teilzeitfalle.“

Es ist nicht neu, dass Teilzeitarbeit unattraktiv ist für Menschen, die beruflich Karriere machen wollen. Mit dem neu geprägten Begriff der „kurzen Vollzeit“soll das Stigma, das der Teilzeit anhaftet, beseitigt werden. Margareta Steinrücke ging in ihrem Vortrag auf volkswirtschaftliche Berechnungen ein, wonach eine Absenkung der Normalarbeitszeit auf 30 Stunden eine Vollbeschäftigung möglich mache. Einwände kommen jedoch von den verschiedensten Stellen. Ist die Forderung utopisch? Wer soll das bezahlen? Schließlich würden mit Absenkung der Arbeitszeit bei vollen Lohnausgleich die Gewinne der Unternehmen angegriffen werden. Dazu erklärte Margareta Steinrücke: „Von Einsparungen durch Technisierung und Digitalisierung profitiert zurzeit nur die Arbeitgeberseite. Gewinne werden nicht in der Realwirtschaft angelegt, sondern in Aktien, von denen Arbeitnehmer keinen Nutzen haben und die möglicherweise die Spekulationsblase wieder aufblähen. Ein voller Lohnausgleich bei einer spürbaren Arbeitszeitverkürzung würde diese Gewinne wieder etwas zurückschrauben und ließe Arbeitnehmer darüber hinaus am Gewinn teilhaben.“

Das Entscheidende bei allen Forderungen nach Arbeitszeitverkürzung sei allerdings die Frage des Personalausgleichs. Der Lohnausgleich sei zwar wichtig, aber die Frage des Personalausgleichs sei strategisch entscheidender. „Ich halte die Tarifbewegung von ver.di - nämlich den Kampf um Personalmindeststandards z. B. in der Pflege - für das, was im Moment perspektivisch wichtig ist. Nur ein Mindeststandard von Personal, kann gewährleisten, dass die vereinbarten Arbeitszeiten ohne Arbeitsverdichtung überhaupt eingehalten werden.“

An den Vortrag schloss sich eine angeregte Diskussionsrunde an, in der Margareta Steinrücke die aufgeworfenen Fragen der Gäste umfassend beantwortete. Zwischen den Gästen, den Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern sowie den Studierenden ergaben sich interessante Gespräche und neue Kontakte, ganz im Sinne der Veranstalterinnen.

Angeregte Unterhaltung am Tag der betrieblichen Entgeltgleichheit ver.di Südwestfalen Gäste_EPD_2018
Der Saal füllt sich ver.di Südwestfalen EPD_2018_Saal
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